Positionspapier

W + N Fachverband Werte und Normen in Niedersachsen e.V.

Positionspapier

 

Auf der Grundlage eines 1970 abgeschlossenen Staatsvertrages zwischen dem Land Niedersachsen und der Freireligiösen Landesgemeinschaft Niedersachsen (aufgegangen in "Freie Humanisten", heute "Humanistischer Verband") wurde neben dem konfessionellen Religionsunterricht ein religionskundlicher Unterricht eingerichtet.

An den allgemeinbildenden Schulen Niedersachsens wurde mit der Novellierung des Niedersächsischen Schulgesetzes von 1974 für Schülerinnen und Schüler, die weder am Religionsuntericht noch am religionskundlichen Unterricht teilnahmen, das Unterrichtsfach Werte und Normen eingeführt. In diesem Unterrichtsfach sollte den Schülerinnen und Schülern "das Verständnis für die in der Gesellschaft wirksamen Wertvorstellungen und Normen sowie der Zugang zu philosophischen und religiösen Fragen vermittelt" werden (vgl. Niedersächsisches Schulgesetz von 1974, § 104). Die amtlichen Richtlinien für diesen Unterricht sind betitelt als: Rahmenrichtlinien für den Unterricht Werte und Normen.

In der z.Z. gültigen Neufassung des Schulgesetzes (§ 128 Abs. 2 NSchG von 1993) heißt es: "Im Fach Werte und Normen sind religionskundliche Kenntnisse, das Verständnis für die in der Gesellschaft wirksamen Wertvorstellungen und Normen und der Zugang zu philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Fragen zu vermitteln." Religionskundliche Inhalte werden hiermit gesetzlich festgeschrieben und das Unterrichtsfach Religionskunde in das Fach Werte und Normen integriert. Damit wird das Fach W+N von drei Bezugswissenschaften getragen: Religionswissenschaft, Gesellschaftswissenschaften und Philosophie. Im § 190 erfährt das Fach Werte und Normen eine zusätzliche Aufwertung. Es wird Prüfungsfach in der gymnasialen Oberstufe, im Fachgymnasium, im Abendgymnasium und im Kolleg, sobald hierfür die erforderlichen Unterrichtsangebote entwickelt sind und geeignete Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Mit einem fundierten Werte und Normen-Unterricht kann die Schule den Chancen und Herausforderungen einer sich verändernden Welt, den sozialen Problemen der Gegenwart, dem Nebeneinander verschiedener Kulturen, Lebensauffassungen und Lebensweisen, Weltanschauungen und Religionen begegnen. In einer ganz besonderen Weise wird im Fach Werte und Normen der Bildungsauftrag der Schule (§ 2 NSchG) eigenständig und konkret umgesetzt.

Der Unterricht unterstützt die Schülerinnen und Schüler, das eigene Leben zu reflektieren, ein Lebenskonzept aufzubauen, ihre Identität im Kontakt mit anderen bewußt zu behaupten und zu entwickeln, um ihnen damit Hilfe für ihre eigene Lebensgestaltung zu geben. Grundlage des Unterrichts ist die dogmenfreie Herangehensweise an Inhalte und der freudvolle Umgang mit der Freiheit zu verantwortlichem Handeln in den Grenzen der bestehenden Gesetze.

Hat der Gesetzgeber die gewichtigen Bildungschancen durch das Unterrichtsfach Werte und Normen richtig erkannt, fehlt es seit 1970 - das sind drei Jahrzehnte! - an einer konsequenten und praxisorientierten Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben.

Zur Situation des Faches

Der Unterricht im Fach Werte und Normen wird überwiegend fachfremd, d.h. von nicht für das Fach ausgebildeten Lehrkräften erteilt. (Ein Großteil davon sind Religionslehrkräfte.)

Bis 1998 studierten die für das Ersatzfach W+N Ausgebildeten an der Uni Hannover Religionswissenschaft und wurden während der Ausbildung zum 2. Staatsexamen auch in den beiden anderen Bezugswissenschaften für W+N, nämlich Philosophie und Sozialwissenschaft ausgebildet.

Immerhin: Seit WS 1998/1999 (6 Jahre nach der Neufassung des NSchG!) wurde endlich an der Universität Hannover ein Studiengang Werte und Normen, der die drei Bezugswissenschaften - Religionswissenschaft, Philosophie, Gesellschaftswissenschaften - umfaßt, für alle Schulformen eingerichtet. (Für die Inhalte siehe PVO-LehrI!) Der alte Studiengang (s.o.) wurde geschlossen.

Obwohl das Ersatzfach für Religion - durch fachfremden Unterricht - als größtes Mangelfach gilt, deswegen bevorzugt eingestellt werden müßte und etliche Schulen ausgebildete Lehrkräfte anfordern, werden anstelle der Fachlehrkräfte bevorzugt seit Jahrzehnten Religionslehrkräfte eingestellt.

In der offiziellen Stundentafel der einzelnen Schulformen (Hrsg.: Der Niedersächsische Kultusminister) wurde das Fach Werte und Normen, trotz seiner im Niedersächsischen Schulgesetz festgelegten rechtlichen Stellung (auf Druck des Fachverbandes W+N) erst seit 1997 aufgeführt. Bis dahin "existierte" also offiziell neben Religion kein Alternativfach.

Die aufgeführten Mängel haben uns veranlaßt, eine Interessenvertretung ins Leben zu rufen. Unser Ziel ist die Stärkung des Faches Werte und Normen als logische Konsequenz im Sinne der Novellierung des Niedersächsichen Schulgesetzes.

Der Fachverband Werte und Normen ist offen für alle, die diese Ziele unterstützen wollen:

Werte und Normen - Unterricht im Klassenverband für alle!- Loslösung des Faches W+N von Religion

  • Stärkung als eigenständiges Schulfach
  • Erstellung der Rahmenrichtlinien durch ausgebildete Fachkräfte
  • Förderung der Ausbildung
  • Planstellen für alle im Fach W+N Ausgebildeten
  • Leitung von Weiterbildungsmaßnahmen durch Ausgebildete

e-mail: mail@fachverband-werte-und-normen.de